Freitag, 14. September 2012

30 Meilen vor Austin, Nevada – 25 Meilen vor Eureka 103km - Tag 9

Nach einer ruhigen Nacht, obwohl wir ja direkt neben der Straße, besser gesagt einer Kreuzung, unser Lager aufgeschlagen haben, wurde ich am frühen Morgen von Kojotengeheul wach. Es schien weit weg zu sein, war aber schon spannend das mal zu hören. In der Nacht war an unserem Zeltplatz das ein oder andere Auto vorbeigekommen, und sogar an unserer Kreuzung abgebogen. Dabei muss man bedenken, dass es sich bei dem Weg der da abgeht um eine Art Feldweg handelt der ungeteert ist. Was macht man da mitten in der Nacht mitten im Nirgendwo? Um das rauszufinden müsste man wohl selbst mal da langfahren. Das haben wir uns gespart.

Wir haben uns dann nach nicht wirklich ausgiebigen Frühstück (es gab eisgekühlten Pfirsich, naja nicht wirklich mit Eis gekühlt aber so kalt als wäre es so passiert) auf dem Weg ins die Weltstadt Austin (200irgendwas Einwohner) gemacht.

Es ist schon irre durch welche Orte man bei so einer Tour kommt. Es sieht aus wie im Wilden Westen, nur dass die Straße mittlerweile geteert worden ist. Ken und ich, wir sind mit ein bisschen Vorsprung im Ort vor Kyle angekommen. Der Ort ist an einem Hang gelegen, und man muss sich quasi eine Passtraße hochschrauben bis man endlich reinkommt. Wir hatten geplant natürlich noch ein bisschen weiter zu fahren. Der nächste Ort war aber zu weit entfernt, dass man ihn am selben Tag hätte erreichen können. Da es immer noch heiß ist, und wir am Tag etwa 5 oder 6 Liter Wasser pro Nase verbrauchen (Ich kann so maximal 4 Liter auf dem Rad transportieren), mussten wir uns überlegen wie wir unterwegs an frisches Wasser kommen. Auf der Karte war keine Servicestation mehr eingetragen. Wir haben dann an der Tankstelle Leute angesprochen die Richtung Osten unterwegs waren. Wir haben vorher 3 Gallonen Wasser in größeren Kontainern gekauft und die Leute gefragt, ob sie die Dinger nach 30 Meilen rausschmeißen können. Das war überhaupt kein Problem und wir haben es zwei Typen mitgegeben. Wir haben es nachher auch tatsächlich aufnehmen können.

Wir haben dann, es war nicht mehr unbedingt früstückszeit, in einem Laden vor Ort Mittag gegessen. Die ausgesprochen unfreundliche Bedienung hat uns ziemlich schnell das Essen gebracht. Erst als wir sie fragen, ob es in Utah (da kommen wir ja als nächstes hin) Alkohol zu kaufen geben hellte sich Ihre Miene auf und sie wurde gesprächig. Man muss hier auf dem Land wohl immer den richtigen Ton treffen, oder möglicherweise das richtige Thema. Bier gibt es in Utah übrigens zu kaufen, nur nicht Sonntags.

Der Rest des Tages sah dann so aus wie jeder Tag in der Wüste. Es ist eine interessante Landschaft zu beobachten, bei der es hier und da gelungen ist durch Bewässerung irgendwas rauszuziehen. Die Leute die dann dort arbeiten müssen hier in dieser verlassenen Gegend irgendwie klarkommen.

Vom Fahren sieht es immer so aus: Gerade, dann geht es langsam und zäh bergauf. Dann kommt ein richtiger Pass, gerne über 2000 Meter hoch, dann geht es wieder runter. Entweder es schließt sich sofort der nächste Pass an, oder mann kommt in die nächste Senke wo sich eine Farm befindet und mit ungeheurem Aufwand irgendwas produziert. Verkehr gibt es hier und da, vor allem riesige Lastwägen die Heu in den Westen transportieren. Wenn so einer an einem vorbeirauscht, gibt es kurz darauf immer eine Prise frischen Heus zu riechen.

Als wir in Austin gegessen haben, kamen wir auch mit Leuten ins Gespräch, die uns berichteten uns kämen wohl im Laufe des Tages andere Radler entgegen, die in umgekehrter Richtung unterwegs seien. Die sind uns nach einer Weile auch begegnet: Einer aus Aschaffenburg und einer aus Darmstadt, beide Studenten an der Uni in Köln. Die sagten uns, dass wir den nächsten Ort unter Umständen doch noch erreichen können. Wir haben daraufin Gas gegeben und haben alles versucht. Dann ist Ken leider eine Speiche am Rad gebrochen. Er hat an seinem Rad Mavic Aksium Räder montiert. Das sind spezielle Rennradlaufräder mit besonders wenig Speichen. Und die brechen gerne mal bei hoher Belastung. Daraufhin haben wir angehalten und unmittelbar an der Straße gecampt. Ob wir nun sichtbar waren war uns egal, es ging eh nicht mehr weiter.

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